Oberpfälzer Gauverband

Nachruf auf den Ehrenvüarstäiha der EghalandaGmoi „Josef Hofmann“ Walter Schmidt



Walter Schmidt wurde am 26.04.1934 in Kirchleshof bei Kaaden a. d. Eger geboren und verstarb am 28.05.2015 in Regensburg. Eigentlich war er ja ein Egerer, seine Mutter entband aber jedes ihrer drei Kinder zuhause bei ihrer Mutter in Kirchleshof, wo ihr Vater Schafmeister auf einem Gutshof war.
Auch die unmittelbaren Kriegsjahre verbrachte er zusammen mit der Mutter und seinen beiden Schwestern bei den Großeltern. Der Großvater lehrte ihn die Liebe zur Natur und zu den Tieren, die ihn ein Leben lang prägte. Nach Kriegsende folgte die Vertreibung nach Dardesheim im Harz. Sein Vater war nach den Kriegswirren aber bereits in Regensburg angelangt und holte die Familie nach.
Und, Regensburg wurde ihm zur zweiten Heimat, obwohl ihn die Liebe zum Egerland nie losließ. Hier beendete er die Schule, machte seine Lehre, gründete eine Familie und erbaute zusammen mit seiner Ehefrau in der Konradsiedlung ein schmuckes Haus.

Am 01.05.1952 wurde er Mitglied des Trachtenvereins Egerländer Gmoi (heute: Trachtenverein EghalandaGmoi „Josef Hofmann), und bereits ab 1955 betätigte er sich bis kurz vor seinem Tod in den unterschiedlichsten Funktionen im Gmoiråut (Vereinsausschuss) der Gmoi. So war er neben verschiedenen Beisitzer- und Stellvertretertätigkeiten, 12 Jahre lang Jugendleiter, 9 Jahre Volkstanzwart, 12 Jahre Mitgliederbetreuer, 7 Jahre stellvertretender Vüarstäiha und insgesamt 25 Jahre Vüarstäiha. Er hat in dieser Zeit die Gmoi und das Leben in der Gmoi stärker geprägt, als viele seiner Vorgänger.

Aber auch überörtlich war Walter Schmidt für die EghalandaGmoin äußerst aktiv. So war er 10 Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Walhalla des Bundes der EghalandaGmoin, 2 Jahre Beisitzer in der Egerlandjugend Bayern und 10 Jahre Beisitzer im Landesverband Bayern des Bundes der EghalandaGmoin.

Dass er auch in anderen Bereichen noch ehrenamtlich tätig war, war für ihn selbstverständlich. So bekleidete er 11 Jahre lang verschiedene Ämter bei der Deutschen Rheuma-Liga, OG Regensburg, und war 14 Jahre lang Vorsitzender des Bundes der Arbeitnehmer der Bundeswehr, OG Regensburg.

In seiner Zeit als Jugendleiter und Vorstand der Gmoi lag ihm vor allem die Förderung der Jugendarbeit und der Zusammenarbeit der Trachtenjugend auf Stadt-, Bezirks- und Gauebene sehr am Herzen. Er zeigte sich neuen Projekten immer sehr aufgeschlossen und sorgte für die entsprechende ideelle und finanzielle Förderung der Jugendarbeit im Verein. Er vertrat die Regensburger Trachtenjugend auch mehrere Jahre als Delegierter zum Stadtjugendring.

Auch die Förderung von Kultur und Brauchtum in allen Facetten waren ihm ein wichtiges Anliegen, das er in den Ausschusssitzungen immer offensiv vertrat.
Ebenso wichtig war ihm die kulturelle Breitenarbeit. Er trat hier auch immer für eine Ausrichtung als Trachtenverein ein und Bestrebungen nach einer stärkeren heimatpolitischen Ausrichtung entgegen. Anzumerken ist hier, dass die Gmoi 1949 als Trachtenverein Egerländer Gmoi z´ Regensburg mit dem Ziel, Sitten, Gebräuche, Sprache und Trachten des Egerlandes zu erhalten, gegründet wurde. Eine Einbindung und die Mitarbeit der Gmoi im Trachtenverband war ihm eines der wichtigsten Anliegen.

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorsitzender der ArGe Walhalla, der die Gmoin aus Regensburg, Neutraubling, Kelheim und Hemau angehörten, war ihm das Hauptanliegen eine gute und konstruktive Zusammenarbeit dieser Gmoin.

Seine Verdienste um die Gmoi und die Trachtensache wurden vom Bund der EghalandaGmoin e. V. mit der Bundesehrennadel und dem Bundesehrenzeichen, der höchsten Auszeichnung, die diese Organisation zu vergeben hat, gewürdigt. Der Oberpfälzer Gauverband der Heimat- und Trachtenvereine verlieh ihm das Gauzeichen in Silber. Die EghalandGmoi„Josef Hofmann“ z` Regensburg ernannte ihn 2003 zum Ehrenmitglied und 2007 zum Ehrenvüarstäiha.

Die Gründung der Ortsgruppe des Verbandes der Arbeitnehmer der Bundeswehr, deren Vorsitzender er seit Gründung bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst war, erfolgte mit auf seine Initiative. Es erschien ihm wichtig, auch in Regensburg eine Alternative zur üblichen Gewerkschaftsarbeit zu schaffen. Seine Verdienste wurden 1993 mit der Silbernen Verdienstnadel der Panzergrenadierdivision gewürdigt. Er war damals erst der dritte Zivilangestellte der Bundeswehr, der diese Auszeichnung erhielt.

Alle angeführten Auszeichnungen werden nur für besondere, kontinuierliche Verdienste vergeben und nicht inflationär für langjährige Mitgliedschaft oder spektakuläre Einzelaktionen. Am 21.04.2008 wurden seine Verdienste mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste von im Ehrenamt tätigen Frauen und Männern gewürdigt.

Gesundheitsbedingt musste er nach fast 60 Jahren Ende 2014 schweren Herzens seine aktive Mitarbeit im Gmoiråut beenden.

Seine Liebe zur Gmoiarbeit und zur Trachtensache konnte er allerdings vorher schon an seine beiden Kinder und einen Teil seiner Enkel weitergeben.

Am 02.06.2015 begleiteten ihn eine große Anzahl von Egerländer und Oberpfälzer Trachtlerinnen und Trachtlern, aber auch Vertretern des Oberpfälzer Gauverbands der Heimat- und Trachtenvereine und des Bundes der EghalandaGmoin, Landesverband Bayern, und mehrere Fahnenabordnungen zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Unteren Katholischen Friedhof in Regensburg.

Die EghalandaGmoin und die Trachtenbewegung haben eine ihrer engagiertesten Persönlichkeiten verloren.